KoKIA-Herbstakademie Tag 3: KI im Gesundheitsbereich gemeinsam gestalten und erproben

Inhalt

KI generiert

Wie kann künstliche Intelligenz die Gesundheit und Selbstständigkeit im Alter unterstützen? Und wie lässt sich sicherstellen, dass digitale Gesundheitsangebote tatsächlich zu den Bedürfnissen der Menschen passen, für die sie entwickelt werden? Der dritte Tag der KoKIA-Herbstakademie 2026 widmete sich KI-gestützten Gesundheitsanwendungen und der Frage, wie ältere Menschen frühzeitig in deren Gestaltung einbezogen werden können. Im Mittelpunkt standen konkrete Anwendungsmöglichkeiten, die praktische Erprobung eines digitalen Präventionsangebots und die Bedeutung von Co-Design.

KI im Gesundheitswesen: Unterstützung statt Ersatz

Zu Beginn gab Alexander Engel (Projektleitung Kompetenznetzwerk KI und Alter) einen Überblick über Einsatzmöglichkeiten Künstlicher Intelligenz im Gesundheitsbereich. Diese reichen von der Unterstützung bei Diagnostik und Früherkennung über die Forschung und Medikamentenentwicklung bis hin zu digitalen Gesundheitsanwendungen und Assistenzsystemen für den Alltag. Auch Chatbots können dabei helfen, medizinische Informationen verständlicher aufzubereiten oder sich auf ein Arztgespräch vorzubereiten. Gleichzeitig wurden die Grenzen der Technologie deutlich: KI-Anwendungen ersetzten weder eine medizinische Fachperson noch die individuelle Beurteilung der Krankengeschichte. Gerade bei Gesundheitsfragen sind deshalb verlässliche Informationsgrundlagen, ein verantwortungsvoller Umgang mit persönlichen Daten und eine klare Kommunikation der Grenzen entscheidend.

Astrid Mönnikes (Projektleitung DigitalPakt Alter) betonte die Bedeutung eines konsequenten Co-Design-Ansatzes. Technologien sollten von Beginn an so gestaltet werden, dass sie selbsterklärend und altersgerecht funktionieren. Es gehe nicht darum, technische Versäumnisse im Nachhinein durch ehrenamtliche Unterstützung oder Technikvermittlung auszugleichen. Vielmehr müssten die Perspektiven älterer Menschen frühzeitig in die Entwicklung einfließen.

„Sundi“: Ein Chatbot für Gesundheitsprävention

Wie ein solches Angebot in der Praxis aussehen kann, stellten Dr. Kerstin Berr und Christine Harbig vom Bosch Health Campus vor. Sie präsentierten „Sundi“, ein digitales Präventionsangebot mit KI-Chatbot, das gemeinsam mit der Charité-Universitätsmedizin Berlin und den Forschenden des Karolinska Institutet entwickelt wurde.

Sundi unterstützt bei Fragen rund um Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressbewältigung. Der Chatbot greift auf wissenschaftlich geprüfte Informationen zurück und gibt kurze, verständliche Antworten. Ergänzende Funktionen wie ein Schlaf-Check, ein Zieleplaner sowie individuell zusammengestellte Rezeptvorschläge und Wochenpläne sollen dabei helfen, gesundheitsförderliche Gewohnheiten in den Alltag zu integrieren. Das Angebot ist kostenfrei und kann ohne Registrierung genutzt werden. Zugleich wurden die Grenzen klar benannt: Sundi ist kein zertifiziertes Medizinprodukt, stellt keine Diagnosen und gibt keine Medikamentenempfehlungen. Bei medizinischen Problemen verweist das System an Ärztinnen und Ärzte.

Ein besonderer Schwerpunkt der Veranstaltung lag daraufhin auf der praktischen Erprobung. Die Teilnehmenden konnten Sundi selbst testen und beispielsweise Wochenmenüs und Einkaufslisten erstellen, Fragen zum Schlaf stellen oder Werte einer Knochendichtemessung besprechen. Die Rückmeldungen fielen überwiegend positiv aus: Der Einstieg und die Bedienung wurden als einfach und benutzerfreundlich beschrieben. Aber auch Kritik wurde geäußert: Es brauche z.B. Möglichkeiten die Empfehlungen von Suni zu exportieren, etwa Einkaufslisten für eine gesunde Ernährung oder Hinweise für den Arzt oder die Ärztin. Die Anregungen wurden von den Verantwortlichen dankend aufgenommen und fließen in die weitere Gestaltung ein.

Hier können Sie Sundi direkt ausprobieren

Beteiligung beginnt früh: Co-Design in der Praxis

Wie ältere Menschen und weitere relevante Gruppen bereits früh in die Entwicklung digitaler Angebote einbezogen werden können, verdeutlichte der Blick auf die bisherigen Beteiligungsansätze des Bosch Health Campus. Dazu gehören Workshops mit Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Pflege, Sport und Wohlfahrt, persönliche Interviews, Usability-Tests und Erprobungen in Reallaboren. Ergänzend werden Rückmeldungen über die Website und digitale Evaluationsbögen gesammelt. Auf diese Weise können Erfahrungen aus dem Alltag in konkrete Verbesserungen einfließen, beispielsweise bei der Länge von Texten, der Navigation oder der Verständlichkeit von Sprache. Co-Design bedeutet damit, Nutzende nicht erst am Ende um eine Bewertung zu bitten, sondern ihre Perspektiven schrittweise in die Gestaltung einzubeziehen.

Wie Sie sich an der Weiterentwicklung von Sundi beteiligen können

Die  praktische Erprobung während der Herbstakademie war ein wichtiger Schritt, um die Anwendung aus Sicht Nutzender zu bewerten. Auch über die Veranstaltung hinaus gibt es Möglichkeiten, eigene Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge einzubringen:

  • Sundi weiter testen und Feedback geben: Wenn sie Sundi weiter ausprobieren möchten, freuen sich die Verantwortlichen über Ihre Rückmeldungen. Nutzen Sie dafür den Sundi-Fragebogen.
  • Fragen und Verbesserungsvorschläge einbringen: Über das Kontaktformular von Sundi können Sie Fragen und Anmerkungen direkt an das Projektteam richten.
  • Aktiv an der Weiterentwicklung mitwirken: Wer sich darüber hinaus an der Weiterentwicklung von Sundi beteiligen möchte, kann sich direkt an Kerstin Berr (info@sundi.eu) wenden.

Von der Erprobung in den Alltag

Der dritte Tag macht deutlich, dass menschenzentrierte KI mehr erfordert als eine funktionierende technische Lösung. Entscheidend ist, dass Anwendungen verständlich, zugänglich und alltagstauglich sind und ihre Grenzen transparent kommunizieren. Für die Technikvermittlung bedeutet das, konkrete Bedürfnisse aufzugreifen, Grundlagen verständlich zu erklären und das Ausprobieren auf den eigenen Geräten zu begleiten.

Die Erfahrungen mit Sundi zeigen zugleich, welchen Mehrwert die frühe Beteiligung älterer Menschen bietet: Ihre Rückmeldungen helfen dabei, digitale Gesundheitsangebote so weiterzuentwickeln, dass sie sich an den tatsächlichen Anforderungen ihrer späteren Nutzenden orientieren.

Die drei Tage der KoKIA-Herbstakademie 2026 haben gezeigt, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, KI im Alltag älterer Menschen sinnvoll einzusetzen, wie wichtig es ist, sie von Anfang an in diese Entwicklung einzubeziehen und wie hoch das Interesse an solchen Beteiligungsmöglichkeiten ist. Ob bei der gemeinsamen Erprobung neuer Technologien, der kritischen Bewertung von KI-generierten Informationen oder der Gestaltung digitaler Gesundheitsangebote: Immer wieder wurde deutlich, dass die Erfahrungen, Perspektiven und Bedürfnisse älterer Menschen einen wichtigen Beitrag zu einer menschenzentrierten Forschung und Entwicklung leisten. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass gelingende Beteiligung geeignete Rahmenbedingungen braucht: verständliche Informationen, niedrigschwellige Zugänge, passende Lern- und Erprobungsformate sowie verlässliche Strukturen vor Ort. Co-Creation bedeutet dabei mehr, als Menschen nachträglich zu einer Bewertung einzuladen. Ihre Perspektive sollten bereits bei der Themenfindung, der Entwicklung und der Erprobung neuer Technologien berücksichtigt werden.

Von einer solchen Beteiligung profitieren nicht nur ältere Menschen selbst, sondern auch Forschung und Entwicklung. Altersgerechte KI-Anwendungen sind ein wichtiger Baustein für eine inklusive digitale Transformation. Eine menschenzentrierte Gestaltung von KI kann deshalb auf die Erfahrungen und Perspektiven älterer Menschen nicht verzichten.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Referierenden für ihre Impulse und Einblicke, bei der Moderatorin für die engagierte Begleitung sowie bei allen Teilnehmenden für den offenen Austausch, die Fragen und die wertvollen Rückmeldungen.

Hier geht es zum Rückblich Tag 1 – Auftakt und Co-Creation

Hier geht es zum Rückblich Tag 2 – KI und Medienkompetenz

Über die Autoren

Alexander Engel
Projektleitung
Johanna Schnitzler
Studentische Hilfskraft

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