Mit KI zum Arzt: Was ältere Menschen wissen sollten

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KI generiert

Vielleicht kennen Sie das. Sie kommen von einem Arzttermin nach Hause und merken erst dort, dass Sie wichtige Dinge wieder vergessen haben. Wie hieß noch einmal die Diagnose? Sollte das neue Medikament morgens oder abends genommen werden? Und was genau hatte die Ärztin zu diesem Blutwert gesagt? Im Gespräch selbst war alles noch ganz klar. Doch kaum zu Hause sieht das manchmal ganz anders aus. Genau an solchen Stellen kann Künstliche Intelligenz heute helfen.

Was KI weiß – und was nicht

KI begegnet uns im Gesundheitswesen längst an vielen Stellen, oft ohne, dass wir es merken. Sie unterstützt Ärztinnen und Ärzte zum Beispiel dabei, Röntgenbilder auszuwerten, Auffälligkeiten zu erkennen oder Arztbriefe zu schreiben. Manche Programme können sogar ein Arztgespräch mitschreiben und daraus eine Zusammenfassung erstellen. Das spart Schreibarbeit. Im besten Fall richtet die Ärztin oder der Arzt die Aufmerksamkeit wieder vermehrt auf Sie anstatt auf den Bildschirm.

Aber auch hier gilt schon, dass KI nicht automatisch alles besser macht. Eine KI kann etwas übersehen oder falsch bewerten. Und auch eine Zusammenfassung eines Arztgesprächs kann Fehler enthalten. Deshalb muss ein Arzt weiterhin prüfen, ob das Ergebnis stimmt. Besonders interessant wird KI, wenn Sie sie selbst benutzen. Manche Menschen machen das ganz selbstverständlich. Andere sind neugierig, aber noch unsicher. Viele fragen ChatGPT oder andere KI-Programme nach Beschwerden, Medikamenten oder Diagnosen. Das kann durchaus sehr hilfreich sein. Sie können sich einen komplizierten Arztbrief in einfacher Sprache erklären lassen. Sie können nachfragen, was ein medizinischer Begriff bedeutet. Oder Sie bitten die KI vor dem nächsten Termin, Ihnen die wichtigsten Fragen aufzuschreiben, damit Sie nichts vergessen. Gerade wenn man mehrere Ärzte hat, verschiedene Medikamente nimmt oder viel auf einmal besprochen wurde, kann das eine echte Hilfe sein. Dabei sollten Sie eines wissen. Eine KI weiß nur das, was Sie ihr erzählen. Und selbst dann kann ihre Antwort falsch sein. Nehmen wir an, Ihnen ist morgens oft schwindelig. Sie fragen die KI, woran das liegen kann. Die Antwort klingt vernünftig. Zu wenig getrunken, Kreislaufprobleme oder eine Nebenwirkung von Medikamenten. Die KI weiß aber womöglich nicht, dass Sie fünf verschiedene Medikamente nehmen. Sie kennt Ihre letzten Blutdruckwerte nicht. Sie weiß nichts über Ihre Nierenwerte. Und sie weiß nicht, dass Sie vor drei Wochen gestürzt sind. Gerade im höheren Lebensalter kommen oft mehrere Dinge zusammen. Viele Menschen haben mehr als eine Erkrankung und nehmen verschiedene Medikamente. Hinter einer einfachen Frage kann also deutlich mehr stecken, als man zuerst denkt. Hinzu kommt ein zweites Problem. KI-Systeme können Antworten erfinden oder Zusammenhänge falsch darstellen. Das Schwierige daran ist, dass sie dabei sehr überzeugend klingen können. Eine falsche Antwort kommt nicht mit einem Warnschild. Sie kann freundlich, logisch und sehr persönlich formuliert sein. Genau das macht den Umgang mit KI bei Gesundheitsfragen anspruchsvoll. Wenn dort steht, für Sie wäre etwas sinnvoll, heißt das noch lange nicht, dass die KI Ihre ganze Krankengeschichte kennt oder dass die Empfehlung für Sie medizinisch richtig ist. Gerade bei älteren Menschen ist das besonders wichtig.

Viele KI-Systeme wurden bisher nicht ausreichend mit Menschen geprüft, die mehrere Erkrankungen gleichzeitig haben, viele Medikamente nehmen oder körperlich und geistig unterschiedlich fit sind. Eine Empfehlung, die bei sonst gesunden Menschen sinnvoll ist, muss deshalb für einen 80-jährigen Menschen mit mehreren Erkrankungen noch lange nicht passen. Studien zeigen außerdem, dass gerade Menschen, die sich bei Gesundheitsfragen weniger sicher fühlen, KI häufig um medizinischen Rat fragen. Das ist gut nachvollziehbar. Die Antworten kommen sofort. Man kann beliebig oft nachfragen und niemand wird ungeduldig. Genau darin liegt eine große Chance. Aber genau deshalb sollte man wissen, dass auch eine sehr verständliche Antwort falsch oder unvollständig sein kann.

KI sinnvoll für sich nutzen

Darum die Frage, wie können Sie KI sinnvoll nutzen?

  1. Geben Sie der KI die Informationen, die für Ihre Frage wichtig sind. Wenn es um ein gesundheitliches Problem geht, nennen Sie nicht nur Ihr Symptom. Schreiben Sie auch Ihr Alter dazu und wichtige Erkrankungen oder Medikamente, wenn sie mit Ihrer Frage zusammenhängen können.
  2. Fragen Sie weiter. Wenn Sie etwas nicht verstehen, sagen Sie das. Bitten Sie um eine einfachere Erklärung. Fragen Sie auch, woher die Information stammt oder welche Punkte Sie mit Ihrer Ärztin besprechen sollten. Sie müssen die erste Antwort nicht einfach hinnehmen.
  3. Treffen Sie wichtige medizinische Entscheidungen nicht allein aufgrund einer KI-Antwort. Setzen Sie Medikamente nicht eigenständig ab und beginnen Sie keine Behandlung nur deshalb, weil eine KI sie empfohlen hat. Nehmen Sie die Antwort lieber mit zum nächsten Termin und sprechen Sie darüber. Auch beim Datenschutz ist Vorsicht sinnvoll. Schreiben Sie in frei verfügbaren KI-Programmen keine Namen, Adressen oder andere persönliche Angaben, die für Ihre Frage nicht nötig sind.

Warum Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt informieren sollten

Und noch etwas ist mir als Ärztin wichtig. Sagen Sie offen, wenn Sie vor dem Termin eine KI genutzt haben. Viele Menschen trauen sich das nicht. Sie denken, der Arzt oder die Ärztin könnte genervt sein oder glauben, man vertraue ihm bzw. ihr nicht mehr. Aber Sie müssen das nicht heimlich tun und sich dafür auch nicht rechtfertigen. Im Gegenteil, Offenheit hilft beiden Seiten. Was hat die KI gesagt? Was davon hat Ihnen geholfen? Was hat Sie verunsichert? Haben Sie aufgrund der Antwort schon etwas verändert? Ein guter Arzt oder eine gute Ärztin sollte damit ruhig und interessiert umgehen. Sich selbst zu informieren, gehört heute zum Alltag. Und auch für uns Ärzte verändert sich dadurch etwas. Wir müssen wissen, welche Informationen Sie bereits bekommen haben. Nur dann können wir gemeinsam prüfen, was davon stimmt und was für Sie persönlich passt. Früher lag ein großer Teil des medizinischen Wissens fast ausschließlich bei Ärztinnen und Ärzten.

Am Ende zählt, was zu Ihnen passt

Heute können Sie viele Informationen selbst finden. Dadurch werden andere Fragen wichtiger. Passt eine Empfehlung zu Ihren anderen Erkrankungen und Medikamenten? Was bedeutet sie für Ihren Alltag? Und passt eine Behandlung zu dem, was Ihnen in Ihrem Leben wirklich wichtig ist? Für einen Menschen kann es wichtiger sein, möglichst lange selbstständig zu Hause zu leben, als einen bestimmten Blutwert möglichst stark zu verbessern. Für einen anderen steht im Vordergrund, wieder sicher spazieren gehen zu können oder nachts besser zu schlafen. Eine gute Entscheidung richtet sich nicht nur nach Blutwerten, Untersuchungen oder Diagnosen. Sie muss auch zu Ihrem Leben passen. KI kann erklären, Fragen vorbereiten und dabei helfen, medizinische Informationen besser zu verstehen. Sie kann aber Fehler machen. Sie kennt nicht automatisch Ihre ganze Geschichte. Und sie weiß nicht von selbst, was Ihnen persönlich wichtig ist. Deshalb wird das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt nicht weniger wichtig. Es verändert sich. Entscheidend ist, gemeinsam zu prüfen, was stimmt, was für Sie passt und welche Entscheidung für Sie persönlich richtig ist.

 


Über die Autorin Dr. med. Alexandra Widmer

Dr. med. Alexandra Widmer ist Fachärztin für Neurologie und ärztliche Psychotherapeutin. Mit docsdigital.de beschäftigt sie sich mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz in der Medizin und insbesondere mit den Veränderungen der Arzt-Patienten-Beziehung durch KI.

Über die Autoren

Dr. med. Alexandra Widmer
Fachärztin für Neurologie und Psychotherapie, Gründerin von docsdigital, Hamburg

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