KI in Pflege und Gesundheit: Chance auf eine verbesserte Versorgung?

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KI generiertes Bild

Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde. Die meisten Menschen begegnen ihr inzwischen fast täglich: als Roboterstimme beim Kundenservice, bei automatischen Vorschlägen auf dem Smartphone oder in Zeitungsartikeln über KI, die bisweilen vielleicht selbst mit KI erstellt wurden. Doch KI ist längst auch in Gesundheit und Pflege angekommen. Dort geht es nicht mehr nur um Bequemlichkeit, sondern um Versorgung, Pflegebedürftigkeit, Verletzlichkeit und Gesundheitsdaten, deren Auswertung Folgen für Gesundheit und Leben von Menschen haben kann. Umso wichtiger ist es, sich als Patientin oder Patient, aber auch als Bürgerin oder Bürger eine eigene Orientierung zu verschaffen.

Wenn von KI in Pflege und Gesundheit die Rede ist, geht es nicht um eine einzige Technologie, sondern um ein breites Spektrum sehr unterschiedlicher Anwendungen. Manche kommen aus dem Alltag: Smartwatches, Fitness-Apps oder Smart-Home-Systeme können Bewegungen erfassen, Schlaf auswerten oder an regelmäßige Aktivität erinnern. Andere Anwendungen sind stärker reguliert, etwa als Medizinprodukte, als digitale Gesundheitsanwendungen /DiGA („Apps auf Rezept“) oder als anerkannte Hilfs- und Pflegehilfsmittel. Dann geht es nicht nur um Komfort oder allgemeine Unterstützung, sondern ausdrücklich um Prävention, Therapie, Nachsorge, den Ausgleich gesundheitlicher Einschränkungen oder professionelle pflegerische Unterstützung.

Wichtig ist dabei auch die Unterscheidung: Nicht alles Digitale ist automatisch KI. Von KI spricht man vor allem dann, wenn Systeme Daten oder Eingaben nicht nur speichern oder weiterleiten, sondern daraus Muster, Vorhersagen, Inhalte, Empfehlungen oder Entscheidungen ableiten. Manche Systeme können sich dabei auch in einem begrenzten Rahmen selbstständig an neue Situationen anpassen.

Anwendungsbereiche in Gesundheit und Pflege

Diese Unterscheidung lässt sich gut an der körpernahen Versorgung zeigen. Sensoren, Wearables (tragbare Geräte wie Smartwatches, Fitnessarmbänder etc.) oder Assistenzsysteme können zunächst einmal Daten erfassen, etwa zu Bewegung, Schlaf, Puls, Aktivität oder Alltagsroutinen. KI kommt dort ins Spiel, wo diese Daten dann ausgewertet werden: Das System erkennt Muster, Abweichungen oder Risiken, zum Beispiel wenn Bewegungen unsicherer werden, gewohnte Routinen ausbleiben oder Hinweise auf ein erhöhtes Sturzrisiko entstehen; vgl. z.B. das Projekt KI@Home.

In Forschung und Diagnostik wird KI ebenfalls genutzt, um große Datenmengen zu analysieren, etwa in der Bildgebung, bei Laborwerten oder bei Sprachproben. Gerade im Bereich Demenz wird untersucht, ob KI in Bildern, Sprache oder Verhaltensmustern frühe Hinweise erkennen kann, die für eine weitere ärztliche Abklärung wichtig sein könnten.

Ein weiteres Feld ist die Robotik. Exoskelette können z.B. Bewegungen unterstützen, indem die enthaltene KI Bewegungsmuster erkennt und die Motoren entsprechend steuert. Serviceroboter können sich in Räumen orientieren oder einfache Aufgaben übernehmen. Soziale Roboter können mithilfe großer Sprachmodelle Sprache verstehen, reagieren, erinnern oder aktivieren. Auch in Aus-, Fort- und Weiterbildung von Gesundheitsberufen können KI-Avatare und Lernplattformen helfen, Wissen verständlich aufzubereiten oder Lernprozesse zu begleiten.

Weniger sichtbar, aber für die Versorgung sehr bedeutsam, ist KI in Verwaltung und Dokumentation. Wenn Gespräche, Pflegeberichte oder Arztbriefe nicht nur digital gespeichert, sondern automatisch strukturiert, zusammengefasst oder für die weitere Versorgung aufbereitet werden, kann das Fachkräfte entlasten. Patientinnen und Patienten profitieren dann nicht unbedingt, weil sie die Technik direkt sehen, sondern weil im besten Fall mehr Zeit und Aufmerksamkeit für das eigentliche Gespräch und eine bessere Übersicht über die Versorgung bleibt.

Chancen und Grenzen des KI-Einsatzes

Darin liegt die eigentliche Chance von KI in Pflege und Gesundheit. Sie kann helfen, knappe Zeit und Aufmerksamkeit besser einzusetzen. Wenn Routineaufgaben übernommen, Auffälligkeiten früher erkannt oder große Datenmengen schneller ausgewertet werden, entstehen neue Möglichkeiten für Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Pflege. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und steigenden Versorgungsbedarfen ist das bedeutsam. Für ältere Menschen kann KI dazu beitragen, Risiken früher sichtbar zu machen, Selbstständigkeit länger zu erhalten und Versorgung verlässlicher zu gestalten.

Voraussetzung dafür ist, dass der KI-Einsatz fachlich geprüft, verständlich erklärt und sinnvoll in Versorgungsprozesse eingebettet sein muss. Sonst können neue Probleme entstehen. Gerade in Gesundheit und Pflege arbeiten KI-Systeme mit hochpersönlichen Informationen und können Entscheidungen beeinflussen, die unmittelbare Folgen für Leib und Leben der Menschen haben. Deshalb muss klar bleiben: KI kann unterstützen, Hinweise geben oder Zusammenfassungen erstellen. Aber Verantwortung tragen weiterhin Menschen!

Für Bürgerinnen und Bürger heißt das: KI-Lösungen können mächtige Werkzeuge sein, um Gesundheit, Pflege und Selbstständigkeit zu unterstützen. Dafür braucht es aber digitale Gesundheitskompetenz (die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen einzuordnen, Angebote zu hinterfragen und verlässliche Quellen zu nutzen).

Wer sich über digitale Lösungen für Pflege und Alltag informieren möchte, findet etwa im anbieterunabhängigen „Mein Technik-Finder“ des Berliner Landeskompetenzzentrums Pflege 4.0 eine erste Orientierung.

Infobox

Das Vorhaben „LEBEN – PFLEGE – DIGITAL, Berliner Landeskompetenzzentrum Pflege 4.0“ wird durch die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege gefördert und durch den Hauptstadtträger ­albatros social umgesetzt.

Über die Autoren

Simon Blaschke, Gerontologe & Leitung Berliner Landeskompetenzzentrum Pflege 4.0

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