KoKIA-Herbstakademie Tag 2: KI verstehen, Informationen kritisch prüfen

Inhalt

KI generiert

Wie verändert Künstliche Intelligenz unsere Suche nach Informationen und wie können wir erkennen, ob Antworten aus dem Internet verlässlich sind? Um diese Fragen ging es am zweiten Tag der KoKIA-Herbstakademie 2026. Dabei ging es nicht nur darum, die Funktionsweise neuer Technologien besser zu verstehen, sondern auch darum, ältere Menschen zu einer selbstbestimmten und sicheren Nutzung zu befähigen.

Google: Wie KI die Internetsuche verändert

Malte Will (Head of Social Impact Partnerships bei Google) und Johanna Harings (Government Affairs & Public Policy Manager bei Google) gaben Einblicke in die Entwicklung der Google-Suche und den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Sie zeigten, wie maschinelles Lernen beispielsweise anfangs nur Tippfehler korrigierte oder Suchanfragen vervollständigte. Mit generativer KI kommen seit einigen Jahren weitere Möglichkeiten hinzu: Informationen können zusammengefasst und Fragen dialogorientiert beantwortet werden. Doch die neuen Funktionen bringen auch Herausforderungen mit sich. KI-Systeme können überzeugend klingende, aber falsche Informationen oder Quellen erzeugen. Zudem besteht die Gefahr, dass Nutzende KI-generierte Zusammenfassungen übernehmen, ohne die dahinterliegenden Quellen selbst zu prüfen. In der anschließenden Diskussion wurde deshalb auch die Verantwortung von Technologieunternehmen thematisiert, Transparenz zu schaffen und die kritische Überprüfung von Informationen zu unterstützen. Ein Beispiel dafür sind Funktionen, die zusätzliche Informationen über Bilder oder Suchergebnisse bereitstellen und dabei helfen, deren Herkunft und Kontext besser einzuordnen. Ein besonderes Augenmerk wurde in der Diskussion ebenso auf die Verantwortung von Anbieter wie Google gelegt, die den Informationsraum im Internet wesentlich mitprägen.

„Super Searchers“: Desinformationen erkennen und Betrugsversuche durchschauen

Wie sich die Fähigkeit stärken lässt, im Alltag kompetent mit KI umzugehen und Beiträge im Netz kritisch zu hinterfragen, zeigten Katharina Leidner und Louise Ringel von der Faktencheckredaktion der Deutschen Presse-Agentur (dpa), indem sie den Workshop „Super Searchers“ durchführten. Ein zentrales Werkzeug, das im Rahmen des Workshops vorgestellt wurde, war die SIFT-Methode. Diese umfasst vier Schritte, die dabei helfen, Informationen systematisch zu überprüfen:

  • Stop: Innehalten
  • Investigate: Die Quelle untersuchen
  • Find better coverage: unabhängige Berichtserstattung suchen
  • Trace claims to their original context: Aussagen zu ihrem ursprünglichen Kontext zurückverfolgen

Gerade bei emotionalisierenden Nachrichten hilft diese Vorgehensweise, nicht vorschnell zu reagieren oder ungeprüfte Inhalte weiterzuverbreiten.

Ein besonderer Aspekt des Workshops war, dass auch das Schulungsformat selbst von unseren Teilnehmenden auf den Prüfstand gestellt wurde. Die Teilnehmenden konnten ihre Erfahrungen, Einschätzungen und Rückmeldungen direkt einbringen und so zur Bewertung und Weiterentwicklung des Angebots beitragen. Damit waren sie nicht nur Adressatinnen und Adressaten der Wissensvermittlung, sondern gestalteten zugleich die Evaluation der Maßnahme aktiv mit.

Wie Sie sich weiter einbringen können

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Inhalte weiterzutragen und zur Verbesserung der Angebote beizutragen:

  • „Super Searchers“ weitergeben: Die Schulungsmaterialien stehen kostenlos zur Verfügung und können für eigene Bildungsangebote genutzt werden. So lassen sich die Inhalte in lokale Initiativen und bestehende Angebote integrieren. Die Präsentationen und weitere begleitendes Material finden Sie auf der Website der dpa unter „Wissen zum Weitergeben“.
  • Feedback und Evaluation: Diejenigen, die am 14. Oktober am Workshop teilgenommen haben und darüber hinaus noch Rückmeldung zum Format „Super Searchers“ geben möchte, kann sich direkt an Melisa Basol wenden (melisa@pulselab.uk). Die Erfahrungen und Einschätzungen der Teilnehmenden können dabei helfen, das Schulungsangebot weiterzuentwickeln und stärker an die Bedürfnisse älterer Menschen auszurichten.
  • Dialog mit Technologieunternehmen: Der Austausch während der Herbstakademie hat zudem ein weiterführendes Gespräch mit Google angestoßen. Gemeinsam möchten wir ausloten,  wie die Erfahrungen und Perspektiven älterer Menschen künftig stärker in entsprechende Entwicklungs- und Gestaltungsprozesse einfließen können.

Medienkompetenzen gemeinsam stärken

Die abschließende Diskussion machte deutlich, dass digitale Teilhabe sowohl Eigeninitiative als auch verlässliche Unterstützungsstrukturen braucht. Ältere Menschen sollten die Möglichkeit haben, neue Technologien kennenzulernen, Fragen zu stellen und Unsicherheiten abzubauen. Gleichzeitig wurde auch die Frage aufgeworfen: Wer trägt die Verantwortung für eine sozial gerechte Gestaltung des digitalen Wandels? Deutlich wurde, dass diese Verantwortung nicht allein bei der Zivilgesellschaft liegen kann. Neben dem Engagement von Bürgerinnen und Bürgern braucht es auch Unternehmen, die Verantwortung übernehmen und sich auf verbindliche Kooperationen einlassen. Die Verantwortung und Wissensvermittlung darf nicht allein auf ehrenamtliche Engagierte verlagert werden.

Der zweite Tag der Herbstakademie zeigte damit, wie wichtig niedrigschwellige Bildungsangebote und alltagsnahe Lernformate sind. Sie stärken nicht nur die Fähigkeit, KI-generierte Informationen kritisch zu bewerten, sondern schaffen auch Voraussetzungen dafür, dass ältere Menschen digitale Technologien selbstbestimmt nutzen und ihre Erfahrungen in deren Weiterentwicklung einbringen können. Und für gute Angebote braucht es Ressourcen, aber auch Unterstützung bei der Gestaltung solcher Angebote. Gerade KI-Anbieter oder Entwickler stehen hier in einer gewissen Bringschuld, so die Losung des Tages.

Wir bedanken uns herzlich bei den Referierenden von Google, der Deutschen Presse-Agentur und der University of Cambridge für die spannenden Einblicke und praxisnahen Impulse. Ein besonderer Dank gilt auch den Teilnehmenden, die mit ihren Fragen, Erfahrungen und Rückmeldungen zum Austausch und zur gemeinsamen Weiterentwicklung der Schulungsangebote beigetragen haben.

Hier geht es zum Rückblich Tag 1 – Auftakt und Co-Creation

Hier geht es zum Rückblich Tag 3 – KI im Gesundheitsbereich

Über die Autoren

Alexander Engel
Projektleitung
Johanna Schnitzler
Studentische Hilfskraft

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