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Lernen im Alter. Tipps für KI-Lernorte

Mit dem Alter verändert sich einiges, das betrifft auch das Lernen. Ältere Menschen lernen allerdings nicht schlechter als jüngere Menschen, sondern anders. Das macht bisweilen andere Strategien des Lernens nötig, aber es lohnt sich! Bildung im Alter kann dazu beitragen, körperlich und geistig fit zu bleiben, am gesellschaftlichen Geschehen teilzuhaben und soziale Beziehungen zu pflegen. Lebenslanges Lernen unterstützt dabei, sich persönlich weiterzuentwickeln, sich an Veränderungen anzupassen und selbständig zu bleiben. Über das Lernen werden Kontakte zu anderen Menschen hergestellt und gepflegt. Viele holen auch endlich das Lernprojekt nach, wozu ihnen früher die Zeit gefehlt hat, oder etwas ganz Neues lernen, zum Beispiel, was es mit dem Thema Künstliche Intelligenz auf sich hat. Doch auf was sollte man beim Lernen im höheren Lebensalter achten? Wir haben Ihnen einige Tipps zusammengestellt.

 

Was ändert sich beim Lernen im Alter?

Mit steigendem Alter merken wir es an uns selbst: Mit dem Altern verändern wir uns. Das betrifft zum Beispiel unser Gehirn und unsere Sinnesorgane. Solche Veränderungen wirken sich auch auf unsere Lernprozesse aus. Grundsätzlich beobachten wir bezogen auf das Lernen Veränderungen in drei Bereichen:

Veränderungen im Gehirn

Mit steigendem Alter tendenziell das Verarbeiten von komplexen Informationen langsamer vor sich. Ruhe und Geduld, sowie das Erledigen der Aufgaben nacheinander statt parallel, helfen daher beim Lernen. Auch die Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses nimmt tendenziell ab. Gerade vor Kurzem Gelerntes wird schwerer erinnert. Wissen, was vor Jahren gelernt wurde, ist dagegen meist gut abrufbar. Häufiges Wiederholen ist daher sinnvoll. Ältere Menschen verfügen aber auch über einen großen Lernvorteil: Sie haben im Laufe des Lebens reichhaltige Erfahrungen und Wissensbestände erworben, an die auch beim späteren Lernen angeknüpft werden kann. Eine Aufgabe, die wir unser Leben lang gemacht haben, verlernen wir so leicht nicht mehr. Es ist daher lernförderlich, neues Wissen mithilfe von bereits bekannten Erfahrungen zu verknüpfen.

Veränderungen bei unseren Sinnesorganen

Ab bereits 40 Jahren tritt die sogenannte Altersweitsicht ein. Außerdem lässt die Wahrnehmung von Helligkeit und Kontrasten nach. Das ist relevant für Lernmaterialien. Wir können gerade unter hallenden Bedingungen oder gleichzeitig Sprechenden auch von einer abnehmenden Hörfähigkeit ausgehen. Deshalb sollten Sie für eine gute Akustik sorgen und darauf achten, dass sich alle Beteiligten ausreden lassen. Hinzu kann es zum Beispiel durch Arthrose zu einer eingeschränkten Beweglichkeit der Gelenke kommen. Sehr kleine Tasten präzise zu drücken wird dadurch erschwert.

Veränderungen bei der Motivation zu lernen

Ältere Menschen sind in der Regel stärker von innen heraus motiviert zu lernen als durch die Verpflichtungen von Schule oder Beruf – und wir alle lernen leichter das, was uns wirklich interessiert. Es gibt in den meisten Fällen keinen äußeren Zwang mehr zu lernen, daher liegt die Aufmerksamkeit bei Älteren in der Regel besonders auf Informationen, die die aktuelle Stimmung aufhellen, also auch Spaß machen. Gelernt wird im Alter nicht nur, um geistig beweglich zu bleiben, sondern auch, um mit anderen gleichgesinnten Menschen in Kontakt zu kommen und in Kontakt zu sein. Wichtig ist also, die Themen an die Gruppe anzupassen und Inhalte zu vermitteln, in denen die Teilnehmenden einen persönlichen Nutzen erkennen, die Lernumgebung angenehm zu gestalten und das Gruppengefühl nicht zu vernachlässigen. Wichtig für alle geschilderten Veränderungen: Sie unterscheiden sich sehr von Person zu Person.

 

Praxistipps: Bildungsangebote für Ältere

Für die Gestaltung von Bildungsangeboten haben wir einige Tipps für Sie zusammengestellt:

Für einen guten Start

  • Achten Sie darauf, dass die Lernorte barrierefrei und gut erreichbar sind. Zeiten am frühen Nachmittag sind beliebter als zur Mittagszeit oder vor dem Dunkelwerden.
  • Die Lernatmosphäre sollte ein Gefühl von Sicherheit geben: Also vermeiden Sie tunlichst bei sich und anderen Teilnehmenden Auslachen, wenn eine Frage wiederholt gestellt wird.
  • Schaffen Sie eine angenehme Arbeitsatmosphäre: Achten Sie auf eine gute Akustik in den Räumen, legen Sie ein paar Tischdecken auf den Tisch oder stellen Sie, wenn möglich, Kaffee und Kekse bereit. In einer schönen Arbeitsatmosphäre macht Lernen direkt viel mehr Spaß.
  • Klären Sie zum Einstieg die Lernmotivation: Warum möchte jemand etwas lernen, was ist der persönliche Sinn? Möchte zum Beispiel jemand verreisen und deswegen seine Sprachkenntnisse auffrischen oder vor allem die grauen Zellen trainieren?

Fürs gute Lernen

  • Wichtig ist es, genau zuzuhören, was die konkrete Frage ist, und genau da weiterzuhelfen, statt die Vor- und Nachteile der Digitalisierung an und für sich zu erörtern. Weniger ist auch hier oft mehr!
  • Zeigen Sie Geduld! Auch wenn jemand immer wieder dieselbe Frage stellt, sollte man nicht mit den Augen rollen, sondern die Frage erneut beantworten, vielleicht in anderen Worten, die besser hängen bleiben.
  • Technische Fachbegriffe, Abkürzungen oder englische Wörter können verwirren. Das heißt nicht, dass gängige Begriffe wie Smartphone oder die Abkürzung KI für Künstliche Intelligenz komplett vermieden werden müssen, aber sie sollten zum Einstieg immer übersetzt und erklärt werden.
  • Zerstreuen Sie Zweifel an der Lernfähigkeit, loben Sie auch kleine Erfolge!
  • Tunlichst vermeiden sollte man schulmeisterliches Verhalten, wichtig ist ein Kontakt auf Augenhöhe!
  • Thematisieren Sie auch Ängste und Sorgen aus früheren Lernkontexten, um diese zu vermeiden. Eine Gruppe älterer Menschen kann sehr divers sein und bringt oft sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Lernen mit. Teilnehmende brauchen daher ggf. verschiedene Herangehensweisen, um Lernbarrieren zu überwinden.
  • Weniger Theorie, mehr Praxis! Probieren Sie das Gelernte gleich praktisch aus.

Fürs gute Miteinander

  • Lassen Sie Raum dazu, eigene Erfahrungen einzubringen, gerade ältere Menschen bringen davon reichlich mit. Setzen Sie an bereits erworbenen Fähigkeiten an, um die Merkfähigkeit der Inhalte zu erhöhen.
  • Menschen lernen auch voneinander – gegenseitige Hilfe festigt das Wissen. Bieten Sie Gelegenheiten auch für privaten Austausch – sich in einer Gruppe wohl zu fühlen unterstützt das Lernen.
  • Überlegen Sie gemeinsam, wie das Gelernte im Alltag angewendet und geübt werden kann. Lernende sollten ihr neues Wissen unbedingt gleich selbst ausprobieren können. Das heißt zum Beispiel auch: statt eine neue App für die Ratsuchenden zu installieren und einzurichten, besser erklären und zeigen, wie es funktioniert, und es die Lernenden selbst machen lassen – auch wenn das länger dauert.

Fürs gute Weiterlernen

  • Wiederholen Sie viel und lassen Sie den Lernenden Zeit, sich Notizen zu machen, um zu Hause nachvollziehen zu können, was man zuvor gelernt hat.
  • Ermutigen Sie die Lernenden, auch selbst ihr Wissen weiterzugeben. Denn vielleicht sitzt vor Ihnen schon ein neuer Engagierter oder eine neue Engagierte in Sachen Digitalkompetenz.

 

Merkhilfe: Fünf E

Eine Merkhilfe für die wichtigsten Tipps können die „5 E“ sein, gefunden beim Digital-Kompass:

  • Ermutigung: Berichten Sie von positiven Lernerfahrungen älterer Menschen.
  • Erfahrung: Erkunden Sie Motivation und bisherige Lernerfahrung.
  • Erwartung: Fragen Sie nach Wünschen und Befürchtungen.
  • Erklärung: Erläutern Sie jeden neuen Begriff und schreiben ihn auf.
  • Ergebnissicherung: Halten Sie jeden Lernfortschritt schriftlich fest.

 

Weitere Informationen

BAGSO-Servicestelle Bildung und Lernen im Alter

Die Servicestelle „Bildung und Lernen im Alter“ der BAGSO widmet sich der Vielfalt der Bildungsthemen im Alter. Die Servicestelle ist eine bundesweite Ansprechstelle bei Fragen zur Förderung von Lernen und Bildung im Alter sowie speziell zu Bildung im Kontext von Digitalisierung.

Digital-Kompass

Beim Digital-Kompass finden Sie eine umfangreiche Sammlung didaktischer Materialien für Veranstaltungen rund um den digitalen Kompetenzerwerb älterer Menschen, zum Beispiel den Leitfaden „Didaktisches Konzept“.